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Wildlife-Workshop · Wolf-Dieter Peest, Stefan Ott, Peter Ernszt

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Die neuen Super-Teleobjektive von Canon

White Dreams

Ein Jahr mit den neuen Canon-Superteles unterwegs


Nachdem mittlerweile über 12 Monate verstrichen sind, seit wir bei Wildlife-Workshop die neuen Superteles im Einsatz haben, hier mein Erfahrungsbericht, der nicht die optischen Eigenschaften beleuchtet, sondern hauptsächlich die Praxistauglichkeit beurteilt.
Dass die neuen Teleobjektive besser in der Abbildungsleistung als ihre Vorgänger sind, ist bekannt und ist an anderer Stelle auch nachzulesen. Die Verbesserung bewegt sich aber nur im minimalen Bereichen – Randschärfe, Kontrast, Auflösung, Brillianz...
Eine deutlich spürbare Steigerung der Bildqualität bringt die Kombination mit den neuen Konvertern mit sich. Sie ist nun kein Kompromiss mehr, sondern eine echte Alternative zur Brennweitenverlängerung. Sie bilden durch die Bank sehr gut ab und lassen keine Wünsche mehr offen – egal ob mit 1,4 fach oder 2 fach Extender. Auch spielt es keine Rolle, ob die Konverter an den 2,8er Linsen oder an den längeren 4,0er Linsen zum Einsatz kommen.
Mit dem neuen 500er wie auch dem 600er kommen noch hervorragende Bildergebnisse bei echten 1000mm bzw.1200mm Brennweite heraus, auch beide 2,8er Linsen sind in Verbindung mit dem neuen 2fach Konverter bei Offenblende 5,6 noch spitze. Die dann vorliegende Brennweite von 600mm (beim 2,8/300er) bzw 800mm (beim 2,8/400er) sind so gut wie noch nie zuvor!



Ein Erfahrungsbericht kann immer nur (wie der Name schon sagt) die eigenen Erfahrungen widerspiegeln, die sich im Umgang mit diesen Gerätschaften ergeben. Diese mögen für andere Fotografen – die vielleicht auch andere Anwendungsgebiete haben – nicht zutreffen.
Und trotzdem versuche ich ein objektives Fazit: Wer bis jetzt mit seinem alten 500er oder 600er zufrieden war und sich nur das ein oder andere mal etwas weniger Gewicht wünschen würde, dem sei gesagt, dass keine Veranlassung dazu besteht, sein altes Objektiv zu verkaufen und viel Geld in die Hand zu nehmen um aufzurüsten. Im Gegenteil – man kann es auch so formulieren, wer mit seinem schon vorhandenen Teleobjektiv der L-Klasse bis jetzt keine guten Bilder gemacht hat, bzw. immer unzufrieden mit seinen Ergebnissen war, der sollte die Fehler im Umgang mit der Materie „Naturfotografie und Technik“ erstmal überdenken und an sich selbst arbeiten, bevor er so eine hohe Investiton tätigt.

Immer wieder stellen wir auf unseren Fotoreisen wie auch aus Gesprächen vor Ort mit Kunden und anderen Fotografen, bei Workshopveranstaltungen etc. fest, das viele einfach mit der Technik überfordert sind. Fachzeitschriften, Internet-Foren etc. können sehr hilfreich sein, aber sie können NIE die eigenen Erfahrungen ersetzen. Ich kann nur in der Praxis wirklich erfahren, wenn ich MEINE EIGENEN ANWENDUNGSBEREICHE berücksichtige, WAS ICH WIRKLICH BRAUCHE UND WAS NICHT! Ob der nette Fotokollege aus der Comunity das schwere Berlebach mit einem Sachtlerkopf empfiehlt, der Fotohändler um die Ecke sein letztes Gitzo verscherbeln möchte, oder ein anderer Fotofreund auf den neuesten Telebügel aus den USA schwört – rausgehen und Ausprobieren ist hier immer noch die Devise!

Aber nicht nur die Technik setzt oft bei dem ein oder anderen die Grenzen der Fotokunst, sondern einfach das fehlende Wissen. Wie erkenne ich in der Natur die wichtigen Abläufe, wie setze ich diese fotografisch gut in Szene? Einige Dinge kurz genannt, die oft über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden:
Immer wichtig und leider zu oft vernachlässigt, die Lichtverhältnisse vor Ort. Zu welcher Tageszeit lohnt es sich überhaupt, in meinem Fotorevier rauszugehen? Ich sollte die örtliche Gegebenheiten vorab erkunden, mangelndes Wissen über die zu fotografierenden Tiere und fehlende Geduld lassen dann einen schnell die Lust am Hobby verlieren. Wer das ein wenig beherzigt und sich wirklich weiter entwickelt, der kommt auch mit einem Tele älterer Generation zu guten Ergebnissen.
 
Zurück zu den neuen Supertele. Wer ein paar Euro angespart hat und diese bereit ist auszugeben - wir sprechen immerhin von einem fünfstelligen Betrag – ist natürlich mit den neuen Teleobjektiven sehr gut aufgestellt. Am augenfälligsten ist das reduzierte Gewicht gegenüber den Vorgängermodellen. Dieses stellten auch auf einer meiner letzten Workshoptouren in Ungarn alle Teilnehmer fest. Wir hatten in Ungarn auch einige ältere Teleobjektive mit und konnten so im direkten Vergleich unsere Meinung bilden. Es fotografiert sich deutlich komfortabler, die leichteren Linsen sind schneller mal vom Beifahrersitz auf den Bohnensack geschwenkt, besonders das neue 500er und 600er sind da echt spürbar besser zu bedienen. Auch der Ultraschallmotor reagiert etwas schneller und spricht schneller an als bei den älteren Objektiven. Ebenso waren wir von den Ergebnissen mit Konvertereinsatz begeistert, auch da spielen die neuen Tele ihre Stärken aus. Der neue Bildstabilisator, der bis zu 4 Blendenstufen bringt, ist gerade aus dem Auto heraus eine wahre Freude. Da merkt man schon beim Durchschauen sehr deutlich, wieviel ruhiger die ganze Kameraobjektiveinheit auf dem Bohnensack liegt. Aus dem Ansitz oder einem Tarnzelt heraus, wenn man die Kameraobjektiveinheit fest auf einem Stativ stehen hat und nur einen begrenzten Fotobereich abdecken kann, ist der Unterschied nicht so gravierend. Hier waren die Ergebnisse selbst mit einem alten 600er der ersten Generation (noch ohne IS) durch die Bank sehr gut.
Ich würde es mal so kurz umschreiben: Wer überwiegend aus festen Hütten oder aus dem Tarnzelt fotografiert muß nicht zwingend zu einem neuen Tele greifen, die Vorgänger waren und sind immer noch sehr gut. Wer nicht permanent die Konverter im Einsatz hat oder bei dem Gewicht nur eine untergeordnete Rolle spielt, kann getrost bei seinem alten Tele bleiben. Wer aber schon immer etwas technikbegeistert war, jeden Vorteil der neuen Tele für sich verbuchen möchte, und meint sie führten ihn letztendlich zu besseren Bildergebnissen, der sollte nicht zögern und sich die für ihn passende Linse kaufen. Um die richtige Optik heraus zu findenist es sinnvoll. sich mal ein Wochenende das eine oder andere Teleobjektiv auszuleihen und es in der Natur bzw. Praxis zu testen. Hierfür bieten wir spezielle Objektivtesttage an, an denen man nach Lust und Laune alle neuen großen Teleobjektive ausprobieren kann. Weitere Infos dazu finden Sie auf unserer Webseite.


  

Meine persönliche Einschätzung der neuen Teleobjektiven

Den ersten Platz teilen sich das neue EF 2,8/300 L IS MK II und das 2,8/400 L IS MK II
 

Platz 1: sehr gut *** EF 2,8/300 L IS MK II

 
Super ausgewogen und handlich, mit Abstand das leichteste Tele! Mit dem neuen 2fach Konverter erweiterbar auf sehr gute 5,6/600mm Brennweite mit immer noch bestechender Bildqualität. Sehr gute Naheinstellgrenze von 2 m. In Verbindung mit einer Cropkamera schon sehr gut wildlifetauglich. Es ist schnell einsatzbereit und auch auf längeren Touren immer freihand-tauglich.
 

Platz 1: sehr gut ***  EF 2,8/400 L IS MK II

 
Flexibel, lichtstark,extrem gut mit Konvertern, gut tragbar, sehr gut ausgewogenes Handling. Sehr gute Naheinstellgrenze und exzellente Abbildungsleistung, gepaart mit einem genialen IS. Blitzschneller AF ohne Extender und noch ausreichend schneller AF mit dem neuen 2fach Konverter. Das Allroundtele schlechthin!
Anwendungen : Sport, Natur, People, Events etc.
 

Platz 2 : gut bis sehr gut *** EF 4,0/600 L IS MK II

 
Immer noch ausreichend flexiebel und lichtstark, tragbar geworden, sehr gute bis exzellente optische Leistung auch mit beiden Konvertern. Gute, ausgewogene Gewichtsverteilung. Ein Spezialist für alles was mit Wildlifefotografie zu tun hat. Aber auch für spezielle Sportarten und Airshows, sowie alle fotografischen Herausforderungen wo es gilt, weite Distanzen zu überbrücken. Gute Naheinstellgrenze für ein 600er, toller IS, schneller AF auch mit 1,4 fach. Egal ob aus dem Auto oder Ansitz, vom Einbein oder auf der Pirsch, wenn ein langes Tele, dann nur das 600er. Mit beiden Konvertern an den 1er Gehäusen eine echte Waffe!
 

Platz 3 : gut bis sehr gut *** EF 4,0/500 IS MK II

 
Kann von allem etwas, leicht, handlich, konvertertauglich, flexibel. Nicht ganz so ausgewogene Gewichtsverteilung, mit einer 1er hinten dran ziemlich hecklastig, was besonders mit dem 1,4fach Konverter auffällt. Preis/Leistung nicht so gelungen. Die beiden Punkte fand ich beim Vorgänger etwas besser. Exzellente optische Leistung, schneller AF auch mit 1,4fach Konverter. Um es mit dem Volksmund zu sagen „nicht Fisch nicht Fleisch“. Um richtig zu punkten ist es für meinen Geschmack nicht leicht genug geworden, bzw. hat es dann doch – für den Preis gesehen – nicht die Performance, die das neue 400er an den Tag legt. Denn da hat das neue 400er die Nase vorn. Hier hat hat mit dem 1,4 fachKonverter dahinter ein extrem gutes 4,0/560 zum fast gleichen Preis! Wer aber ein gutes, leichtes Allroundtele sucht und nicht unbedingt mal ab und an die Blende 2,8 braucht, der wird mit dem neuen 500er bestimmt auch glücklich.




Das spiegelt auch im Großen und Ganzen die Resonanz meiner Kunden auf den letzten Workshopveranstaltungen wieder. Natürlich muß jeder Naturfotograf für sich selbst entscheiden, ob ein Upgrade von einem der Vorgängertele überhaupt nötig ist, oder nicht. Je nach eigenem Anwendungsprofil, reicht manch einem ein 2,8/300er für Wald und Wiese zum Spazieren gehen, dem anderen kann es nicht lang genug sein. Der sitzt den ganzen Tag im Tarnzelt oder Ansitz, ein anderer wiederum fliegt um die halbe Welt und braucht leichtes Gepäck.
Auch das ab Juni 2013 lieferbare, neue Superzoom 4,0/200-400 +1,4 fach Ext. wird ein lichtstarkes – egal ob kurzes oder langes – Tele nicht ersetzen können. Als Hauptlinse im Wildlifebereich wird es mit ziemlicher Sicherheit zu kurz sein. außer man stockt es mit weiteren Konvertern auf... aber ob es dann noch wirklich praxistauglich ist, wird sich zeigen. Ich denke aber als tragbare Alternative für Reisen ins ferne Ausland, Reportagefotografen etc. könnte es gut geeignet sein. Aber der Preis von über 10.0000 Euro....
Wo wir dann wieder beim nur halb so teuren 2,8/300er L IS MK II sind – die gesparten 5.000 Euro  könnten in ein lichtstarkes 2,8/70-200 L IS MK II plus Konverter und Zweitgehäuse investiert werden.

Und schon geht das Grübeln „was soll ich mir kaufen " wieder von vorne los :-))
 
In diesem Sinne viel Spaß bei der Auswahl
 
Wolf-Dieter Peest
 
Mai 2013

 

Nachtrag:

Anbei muß ich noch bemerken, dass die von uns und unseren Teilnehmern ebenfalls benutze EOS 1DX nicht unbedingt tierfreundlich ist. Der unglaublich harte und laute Spiegelschlag war weder bei den Kleinvögeln wie Schilfrohrsänger, Schwarzkehlchen, Grasmücken etc. noch in der Nähe eines Wiedehopfes oder eines gar scheuen Pirols beliebt. So kam es dass die EOS 1DX fast nur im Rucksack bzw. in unserer Unterkunft blieb. Es ist sicherlich eine gute und vor allem schnelle Kamera, aber Canon hatte bei der Entwicklung sicher nicht die Naturfotografen im Fokus. Im Gegenteil, in quasi allen Belangen hat eigentlich die deutlich günstigere und vor allem angenehm leise 5D MK III die gleichen Qualitäten bzw. kann in der gleichen Liga mitspielen. Unser Fazit war jedenfalls, für Wildlifefotografie bei Ansitz und eben überall dort wo es auf absolute Ruhe ankommt, ist die Kamera fehl am Platz. Ob beim abendlichen Ansitz auf Rehwild und Sauen oder am Fuchs bzw. Dachsbau. Bei dem Spiegelschlag vertrieben wir sogar die sonst recht gutmütigen Hasen und Fasane am Strassenrand aus ihrer Sasse. Selbst aus ca. 10 m Entfernung aus einem Tarnzelt heraus, hört sie sich an wie ein Nagelapperat, wie sie die Trockenbauer im Fertighausbau verwenden. Aber evt. schafft es Canon ja per Firmware einen nachträglichen Silentmode, wie ihn die 5D MK III hat, nachzuschieben. Das wäre jedenfalls sehr wünschenswert und würde dann bestimmt den ein oder anderen Naturfotografen doch noch zur 1DX greifen lassen. Bestimmt ist das aber konstrucktionbedingt nicht so einfach möglich.
Es gibt zwar per Einzelbild die Möglichkeit auch die 1DX etwas leiser klingen zu lassen, ist aber nicht wirklich praxistauglich.
 

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